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See Converence #5 oder unter dem Schatten des Eyjafjallajökul

04.25.10 | Comment?

Bekannterweise legte der Verkehrminister in der vergangenen Woche mit Hilfe einer großen isländischen Vulkanwolke den Flugverkehr recht lahm was zur Folge hatte, das Paul und ich erst nach gefühlten 128 Stunden Zugfahrt bei der See Conference in Wiesbaden eintrafen. Diese fand zum fünften Mal unter dem Oberbegriff der Informationsvisualisierung statt und überraschte mit frühlingshaftem Wetter und daheimgebliebenen Sprechern – dafür aber mit knapp 800 Besuchern. Gute Kombi. Der bemühte Veranstalter schaffte es jedoch recht spontan eine dadaistisch anmutende Videoverbindung auf die Beine zu stellen, die auch irgendwie interessant war. Übrigens bekam ich das Angebot bei einem erneuten Videoausfall spontan mit Paul einspringen zu dürfen und eine Präsentation zur kinetischen Skulptur vom Besten zu geben was sogar eine Erwähnung im verbalen Abspann einbrachte. Naja, nächstes Mal dann halt. Nachfolgend mein kleiner Highlight-Überblick:

Prof Dr Herbert W Franke, seinerseits österreichischer Forscher, sprach in seinem Vortrag über Bildkultur kontra Sprachkultur und forderte darin neue Wege der Kommunikation durch neue Technik und die Zusammenkunft von Kunst und Wissenschaft, was für anwesende Werber doch vielleicht eine Nummer zu hoch schien. Formelvorherrschaften sollten gebrochen und endlich durch Bildsprachen ergänzt werden – speziell dann wenn die Sprache als causale Aneinanderreihung von Wortketten in ihrer Funktion für Komplexitäten in der Informationsvisualisierung nicht mehr ausreiche.

Menschliche Datenaufnahme Darstellung der Datenaufnahme des menschlichen Gehirnes, Prof Dr Herbert W Franke.

Der Vortrag des australische Künstlers, Tänzer und Choreographen Gideon Obarzanek (Chunky Move) griff das Zusammenspiel von Virtualität und Realität auf und gab einen Überblick zu fictional illusions. Er sprach von integrativen Prozessen der Teamarbeit (“People are not able to imagine what they don’t know.”), der graphischen Darstellung durch den Körper (Stichworte zur technischen Problemstellung und -lösung: motion-sensing (understanding movement, tracking and processing), subsonic soundsystems and feeling them) und dem Problem mit Softwareentwicklern eine gemeinsame Sprache zu finden (“Ja, es ist möglich.” bedeutet demnach, daß locker ein halbes Leben Entwicklungszeit für ein Projekt draufgehen mag / Stichwort: “Incompatability in time!“).
Gideon Obarzanek spontane Choreografie auf Video gebannt.

Dieter Brell gab während seines Vortrages einen Einblick in die Arbeitsweisen (Handskizzen!) seines Wiesbaden-Hamburg-Shanghaier Architektur- und Interiorbüros 3Deluxe deren Arbeiten glücklicherweise besser funktionieren als die Navigation ihrer Webseite. Er sprach über die Additivität multipler atmosphärischer Ebenen, die in der Formfindung gegenüber einer einheitlichen, harmonisch-integrativen Vision aus den 60ern stünde. Hängengeblieben ist außerdem der Leonardo Glass Cube von 2007 als imageprägende Firmenarchitektur für Glaskoch B. Koch jr. GmbH + Co. KG aus Bad Driburg, Deutschland.

Adrew vande Moere zitierte eifrig aus seinem Blog, Nicolas Felton machte weiter sein Ding und bewies, daß quantitative Daten ein kurioser Quell sein und Fragen auf alle (?) Antworten geben können (Stichworte: Everyone has a story to tell/The lost history of pills/Communicate the story, not the data).

Weiter geht’s: Kent Demaine (OOOii, Hollywood) war leider behindert – durch den Vulkan – und es interessiert mich wirklich brennend, ob sein Vortrag durch seine Anwesenheit erruptiver geworden wäre als die zähflüssige Präsentation, die die Besucher via Skype (!?!) zum Erkalten brachte. (Bitte den vorherigen Satz nochmal lesen damit einem der Wortwitz zum Vulkan bewußt wird…brennen, Erruption und so). (Das schöne am eigenen Blog ist, daß man schreiben kann was man will – naja, außer vielleicht über ein neues iPhone, das man für 5000$ kauft um es detailreich zu präsentieren; denn dann kommen direkt irgendwelche Honks und treten Deine Tür ein…// Sorry. Kam mir gerade so.). Also, zurück zur Präsentation von Herrn Demaine: diese befasste sich mit der Darstellung von Zukunftstechnologien in Filmen samt zugehörigen Specialeffects und Herr Demaine verstand es vortrefflich dieses spektakuläre Thema der Zuhörerschaft als wissenschaftlich, trockene Abhandlung zu präsentieren: theoretisch viele Slides, ab und zu mal eine Videoeinspielung bei der man aber nicht wußte in welchem Bezug diese gezeigt wurde. Interessant an dieser Stelle ein eingeblendetes Pro7-Icon bei einem Ausschnitt aus Minority Report. WTF? (Vielleicht bin ich aber auch so kritisch, weil sein Vortrag als Highlight angekündigt war und das was er bot dem keineswegs nahe kam. Asche auf sein Haupt. Zumindest die Videokonferenz funktionierte mit Hilfe der Acrobat Connect Software, die der Adobe Außendienst Mitarbeiter spontan beisteuerte und dadurch zu seinen 15 Minuten Ruhm auf der Bühne kam (…und er sonnte und sonnte sich in diesem Ruhm…)).

Hannes Koch (rAndom International, London) riss das ganze dann glücklicherweise mit seinem Vortrag zum Verhalten von Objects & Environments wieder raus. Die abzuleitende Keymessage könnte gedeutet werden als: Die wichtigste Aufgabe eines Designers ist die Dokumentation seiner Arbeit. Er ist einfach gut, schafft Emotionalität zum Objekt (mag ich!) und er spricht mir aus der Seele, wenn er fragt “What does it mean to be a pixel? Let’s liberate the pixels!”

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